NZV_08_2007_II

NZV Neue Zeitschrift für Verkehrsrecht, 8 2007, 10. August 2007, S. 402:

Handbuch für die strafrechtliche Hauptverhandlung.

Von Richter am Oberlandesgericht Detlef Burhoff, 5., aktualisierte und erweiterte Auflage, 1203 Seiten mit CD-ROM, Lexikonformat, gebunden, Oktober 2006, ZAP Verlag für die Rechts- und Anwaltspraxis, Münster, 89,00 Euro.

Das wichtigste zuerst: Braucht man als Anwalt, der in der Hauptverhandlung verteidigt, dieses Buch? Auch, wenn man bereits die Vorauflage besitzt? Ja! Ja! Ein erfahrener Strafverteidiger hat einmal zu mir gesagt, er gehe in keine Hauptverhandlung ohne den Hauptverhandlungs-Burhoff. Recht hat er.

Das Handbuch erhebt nicht den Anspruch, ein (weiterer) Kommentar zur StPO zu sein. Es stellt vielmehr eine praktische Arbeitshilfe für die Hauptverhandlung dar. Zur Beantwortung der Rechtsfragen ist zunächst die herrschende Meinung dargelegt, wie sie beispielsweise im „Meyer-Goßner“ aufgeführt ist. Diese ist durch weiterführende Hinweise – auch auf kritische Literatur und Rechtsprechung – ergänzt. Das Buch ist aufgebaut in ABC-Form. Dies ermöglicht, über das vorangestellte Inhaltsverzeichnis den Weg zur Beantwortung der in der Hauptverhandlung auftauchenden Fragen nicht über den oder die einschlägigen Paragrafen (auf die man im Eifer des Gefechts ja erstmal kommen muss) zu eröffnen, sondern über ein Stichwort. Soweit ich dies beurteilen kann, sind unter dem jeweiligen Stichwort alle damit zusammenhängenden (Rechts-)Fragen und Probleme geschlossen dargestellt. Die zum Teil sehr umfassenden Rechtsprechungsnachweise, insbesondere auf die der Oberlandesgerichte, sollen es jedem Benutzer ermöglichen, die Rechtsprechung „seines“ OLG zu finden. Weiterführende Hinweise auf die im Text zitierten Aufsätze und sonstige Veröffentlichungen, Spezialkommentare, Monographien oder auf Aufsätze zu bestimmten Themen sind nach den einzelnen Stichworten zu Beginn des Textes eingeordnet. Zur Vorbereitung auf die Hauptverhandlung kann der Benutzer durch die Nennung des Titels eines Aufsatzes oder einer Monographie an dieser Stelle erkennen, ob eine angeführte Belegstelle eine zu vertiefende Frage nur mitbehandelt oder ob sie gegebenenfalls die Hauptthematik eines Literaturbeitrags darstellt. Mit Hilfe der weiterführenden Hinweise auf in der einschlägigen Fachliteratur sonst noch erschienene Aufsätze zu den anschließend behandelten Stichworten können über die angeführten Zitate hinaus die behandelten Fragen vertieft werden. Für einige der wichtigsten Stichworte werden die teilweise ausführlichen Erläuterungen unter der Überschrift „Das Wichtigste in Kürze“ in mehreren „Leitsätzen“ zusammengefasst und so zusätzliche Möglichkeiten zur schnellen und schwerpunktmäßigen Information geboten. Unter der Überschrift „Hinweise für den Verteidiger!“ ist das dargestellt, was der Verteidiger in dem jeweiligen Zusammenhang besonders beachten sollte oder was für seinen Mandanten besonders wichtig ist. Dem Handbuch ist ein „Entscheidungsregister“ angefügt. In diesem sind alle als Beleg im Text des Handbuchs angeführten Entscheidungen aufgeführt. Das Entscheidungsregister für die Jahre ab 2000 befindet sich am Ende des Handbuchs. Das Entscheidungsregister für die früheren Jahre befindet sich aus als Pdf-Datei auf der zum Handbuch gehörenden CD. Hinzuweisen ist schließlich noch auf das Stichwort „Gesetzesnovellen“: Aufgeführt sind dort die aktuellen Gesetzesnovellen, die Auswirkungen auf die die Hauptverhandlung betreffende Vorschrift der StPO haben. Die geplante Gesetzesänderung ist jeweils kurz dargestellt. In dem dazu gehörigen Stichwort wird dann auf das Stichwort „Gesetzesnovellen“ verwiesen. Damit hat der Verteidiger die Möglichkeit, wenn die Gesetzesänderung in Kraft getreten ist, sich wenigstens kurz über die eingetretene Änderung zu informieren und ist so in der Lage, stets die aktuelle Gesetzeslage abzufragen. Und schließlich: Alle im Text erwähnten Muster sind auf der CD gespeichert. Dort befinden sich außerdem Aufsätze, die nicht veröffentlicht, im Text aber zitiert sind sowie das erwähnte Entscheidungsregister für die Jahre vor 2000.

Der Hauptverhandlungs-Burhoff vermittelt nicht nur das für eine erfolgreiche Strafverteidigung erforderliche Wissen über die strafrechtliche Hauptverhandlung, sondern gibt über dieses Grundwissen hinaus auch Tipps und Hinweise aus der langjährigen strafrechtlichen Tätigkeit des Autors an die Hand. Das Handbuch richtet sich deshalb nicht nur an den Berufsanfänger, sondern auch an den im Übrigen bereits erfahrenen Rechtsanwalt, der nur noch nicht so häufig oder jetzt wieder/erstmals die Aufgabe der Strafverteidigung übernommen hat, und soll helfen, die Hauptverhandlung aus der Sicht eines Strafverteidigers (mit-)gestalten zu können. Aber auch demjenigen Rechtsanwalt, der mit den Fragen der Strafverteidigung bereits gut vertraut ist, kann das Handbuch noch Hilfestellung leisten. Schließlich finden auch Richter und Staatsanwälte die schnelle Lösung eines in der täglichen Praxis auftretenden Problems.

In der nun vorliegenden 5. Auflage ist der Umfang des Handbuchs im Vergleich zur Vorauflage von 1008 auf 1203 Seiten angewachsen. Dies vor allem deshalb, weil der Bereich der Revision ausgebaut wurde. Die entsprechenden Ausführungen geben einen ersten Einstieg in das Revisionsrecht, und zwar vor allem demjenigen Verteidiger, der nicht so bewandert im Revisionsrecht ist. Im Übrigen sind die Stichworte der 4. Auflage aktualisiert und zum Teil wesentlich erweitert worden. Das OpferrechtsreformG und die durch das 1. JustizmodernisierungsG für die Hauptverhandlung vorgenommenen Änderungen wurden eingearbeitet. Zudem hat das In-Kraft-Treten des RVG die Überarbeitung der – auch im Übrigen erweiterten – gebührenrechtlichen Hinweise erforderlich gemacht. Die seit der 4. Auflage erschienenen Veröffentlichungen und die seitdem veröffentlichte Rechtsprechung – 600 (neue) Entscheidungen bis einschließlich Oktober 2006 – wurden ausgewertet und verarbeitet.

Meines Erachtens sollte jeder Rechtsanwalt, der in der Hauptverhandlung verteidigt – sei es nur gelegentlich oder auch regelmäßig –, den Hauptverhandlungs-Burhoff dabei haben.

Rechtsanwalt Uwe Lenhart, Frankfurt am Main